Die Österreicher haben „drastische Defizite“ in der Risikokompetenz

Die Österreicher haben „drastische Defizite“ in der Risikokompetenz

(kunid) Oft verlässt man sich darauf, dass eh nichts passiert, vor allem, wenn man vorsichtig ist. Oder man erwartet, dass der Staat einspringt, wenn dann doch der Schadenfall eintritt.

„Die Fähigkeit, informiert und reflektiert vernünftige Entscheidungen im Umgang mit Risiken zu treffen“ – kurz: „Risikokompetenz“ – ist in der Bevölkerung laut den Ergebnissen einer neuen Umfrage der Vienna Insurance Group AG (VIG) nur in begrenztem Maß vorhanden.

Die VIG spricht gar von „drastischen Defiziten“ sowie „weit verbreiteten Trugschlüssen hinsichtlich der Schadensabdeckung durch staatliche bzw. gesellschaftliche Institutionen“.

Defizite in der Risikowahrnehmung

Für jeden der fünf Bereiche sollte zunächst eruiert werden, wie es um die Wahrnehmung von Risiken steht, konkret: ob die Umfrageteilnehmer bereits „sehr intensiv“ oder „intensiv“ darüber nachgedacht haben.

Wie sich zeigte, hat sich in allen fünf Bereichen erst eine Minderheit „sehr intensiv“ oder „eher intensiv“ mit dem jeweiligen Risiko befasst. Am häufigsten geschah dies in Bezug auf Wohnrisiken (41 %), am wenigsten in Bezug auf Haftungsrisiken aus selbstverschuldeten Unfällen (32 %).

Kurzum: Im Schnitt haben sich bis dato rund zwei Drittel noch nicht ernsthaft mit diesen Risiken auseinandergesetzt, fasste Michael Nitsche, Vizepräsident von Gallup International, die Risikowahrnehmung bei der Vorstellung der Daten zusammen.

„Mir passiert das nicht“

Was die Einschätzung angeht, ob man selbst von diesen Risiken betroffen sein könnte, herrscht überwiegend die Ansicht vor: Mich trifft es eher nicht.

Die Wahrscheinlichkeit etwa, dass bei einem selbst Gesundheitsrisiken schlagend werden könnten, halten nur 31 % für „sehr“ oder „eher“ hoch.

Ein potenzieller Schaden wird aber als hoch eingeschätzt

In einem deutlichen Gegensatz dazu stehen die Ergebnisse zur Frage, wie hoch der Schaden eingeschätzt wird, wenn dann doch einmal etwas passieren sollte.

Einerseits rechnet nämlich nur eine Minderheit damit, selbst Opfer eines der Risiken werden zu können.

Andererseits gehen 74 % davon aus, dass der finanzielle Schaden sehr oder eher hoch wäre, wenn es im Wohnbereich einen Schaden gäbe. 73 % sagen dies im Hinblick auf Gesundheitsrisiken, 66 % in Bezug auf Arbeitskraftverlust.

Gegenmaßnahmen: Versicherung, Prävention usw.

Wie reagieren die Befragten auf die einzelnen Risiken? Eine Versicherung abgeschlossen hat jeweils nur eine Minderheit.

Am höchsten ist der Anteil der Versicherungsnehmer bei den Themen Wohnen (45 %) und Gesundheit (35 %).

Das Haftungsrisiko bei selbstverschuldeten Unfällen haben 33 % versichert. Gegen Arbeitskraftverlust sind nach eigenen Angaben 30 % der Befragten versichert, gegen Internetbetrugsrisiken 12 %.

Andere relativ häufig Maßnahmen gegen Risiken sind insbesondere Prävention und Vorsicht sowie Rücklagen: „Ich passe auf, dann passiert mir nichts.“

Warum gegen Risiken keine Maßnahmen ergriffen werden

Gar keine Maßnahmen gegen diese Risiken trifft laut eigener Aussage in den meisten Risikobereichen etwa ein Fünftel, im Bereich Internetbetrug ein Viertel.

Aus welchen Gründen trifft diese Personengruppe keine Vorkehrungen? Ganz vorne steht der Preis, oft liegt es auch einem gewissen Fatalismus nach dem Motto „Ich kann sowieso nichts tun“, wieder andere sagen, sie beschäftigen sich mit den Problemen erst, wenn sie auftreten.

Teils mangelt es am Risikobewusstsein, teils am „Auskennen“, manche wiederum hoffen darauf, dass eine „höhere Macht helfen wird“.

Hohe Erwartungen an die öffentlichen Einrichtungen

Eine Rolle spielen dürfte aber auch, dass sich je nach Risiko ein Großteil auf den Staat verlässt – und überhaupt eine größere Rolle des Staates fordert.

Besonders deutlich erkennbar ist das Phänomen im Bereich Gesundheit. 16 % sagen: Staatliche Institutionen übernehmen derzeit alle Kosten, weitere 64 % sagen, sie übernehmen einen Teil. Die Erwartungshaltung geht aber weiter: 57 % sind für eine volle Kostenübernahme durch den Staat. 34%  sind für die Übernahme eines Teils.

Ganz ähnlich verhält es sich beim Risiko Arbeitsplatzverlust. 20 bzw. 55 % sagen, die Kosten würden derzeit voll oder teilweise öffentlich übernommen. Und auch hier geht die Erwartungshaltung weiter: 51 % plädieren für eine volle, 37 % für eine teilweise öffentliche Kostenübernahme.

Für Wohnbereichsrisiken möchten 30 % eine volle, 47 % eine teilweise Kostenübernahme. Auch bei Haftungsrisiken bei selbstverschuldeten Unfällen ist eine Mehrheit für die Übernahme durch öffentliche Einrichtungen: 19 % für eine vollständige, 34 % für eine teilweise.


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