Führung und Zusammenarbeit im Umbruch

Führung und Zusammenarbeit im Umbruch

(kunid) Bereichs- oder sogar unternehmensübergreifende Führung wird immer wichtiger, und Führen auf Distanz hat noch viel Entwicklungspotenzial und birgt Gefahren in sich. Das sind einige der Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter Führungskräften.

Aufgrund der zunehmend netzwerkartigen Struktur der Unternehmen gewinnen in ihnen die Themen virtuelle und laterale Führung massiv an Bedeutung.

Entsprechend groß ist der Entwicklungsbedarf ihrer Führungskräfte bei allen Kompetenzen, die für eine zukunftsweisende Gestaltung der Kommunikation und Kooperation nötig sind.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Alpha-Collaboration – Führung im Umbruch; Perspektiven für die Zusammenarbeit der Zukunft“, die das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ) erstellt hat.

Laterale Führung wird wichtiger

Die Studie zeigt: In den Unternehmen gewinnt außer dem Führen auf Distanz das Thema laterale Führung, also Führung ohne Weisungsbefugnis, stark an Bedeutung – unter anderem, weil nach Auffassung der meisten Führungskräfte (95,1 %) ihr Team auch mittel- und langfristig einen hybriden oder gar rein virtuellen Charakter haben wird.

Zudem erwarten 79,9 % der Befragten, dass künftig die Bereichsgrenzen in der Alltagsarbeit eine immer geringere Rolle spielen und deshalb das Thema laterale Führung an Bedeutung gewinnt.

Als Ursache hierfür nennen die Führungskräfte unter anderem, dass die Kernleistungen der Unternehmen zunehmend in bereichs- und oft sogar unternehmensübergreifender Team- und Projektarbeit erbracht werden.

Dadurch steigt außer der Bedeutung der Online-Kommunikation auch ihre Abhängigkeit bei der Zielerreichung von anderen Personen als den eigenen Mitarbeitern. So z.B. von den Mitarbeitern anderer Bereiche sowie externen Zulieferern und Dienstleistern.

Führungskräfte sind zunehmend als Beziehungsmanager gefragt

Gegenüber diesen Partnern haben die Führungskräfte keine Weisungsbefugnis. Deshalb stehen sie vermehrt vor der Herausforderung, auch Personen zu inspirieren und zu „führen“, deren Vorgesetzte sie nicht sind.

Entsprechend stark gewinnen aus ihrer Sicht die Führungsrollen „Influencer/Beziehungsmanager“ (64,6 %) und „Leader/Sinnstifter“ (79,8 %) an Bedeutung.

Zum Bedeutungszuwachs dieser Rollen trägt bei, dass sich auch die Mitarbeiter der Unternehmen gewandelt haben. Hierin sehen die Führungskräfte außer in der Digitalisierung einen zentralen Treiber der Veränderung.

Führungskräfte sind keine „Fans“ des Führens auf Distanz

Als zentralen Punkt, warum sie künftig teils andere Kompetenzen brauchen, verweisen die Führungskräfte immer wieder auf das virtuelle Führen und das vermehrte Arbeiten im Homeoffice. Dabei fällt auf: Die meisten Führungskräfte erachten das Führen auf Distanz eher als ein aufgrund der Rahmenbedingungen „notwendiges Übel“.

Nur 29,5 % von ihnen betonen, diese Form der Führung habe mehr Vor- als Nachteile. Ansonsten halten sich für sie die Vor- und Nachteile entweder weitgehend in der Waage (52,1 %) oder die Nachteile überwiegen (18,4 %).

Die Vorbehalte vieler Führungskräfte gegen das virtuelle Führen bzw. Führen auf Distanz resultieren auch daraus, dass laut ihrer Einschätzung etwa ein Drittel ihrer Mitarbeiter nicht den erforderlichen Reifegrad und Entwicklungsstand haben, um weitgehend eigenständig und -verantwortlich beispielsweise im Homeoffice zu arbeiten.

Gefahren bei der virtuellen Führung

Zudem sehen drei Viertel der Führungskräfte (78,0 %) beim virtuellen Führen die Gefahr einer sinkenden Beziehungsqualität zwischen den Mitarbeitern und ihnen.

Als weitere Gefahren erachten viele eine sinkende Identifikation mit dem Unternehmen (51,8 %), eine Überforderung der Mitarbeiter (42,7 %) und ein Absinken ihrer Motivation (29,3 %).

Fazit der Studie: In der modernen, digitalen Arbeitswelt wandelt sich das Anforderungsprofil an Führungskräfte; sie werden zunehmend zu Beziehungsmanagern bzw. „alpha-intelligenten Persönlichkeiten“, die sich unter anderem durch eine hohe „Persönlichkeits-“, „Beziehungs-“ und „Digitalintelligenz“ auszeichnen