Versicherungen sind Vertrauensanker in Krisenzeiten

Versicherungen sind Vertrauensanker in Krisenzeiten

(kunid) Partnerschaftslösungen zur Katastrophenvorsorge auf die Beine zu stellen – dazu rief Prof. Karel Van Hulle beim Expertentag der Versicherungsmakler auf. Er äußerte auch seine Überzeugung, dass ein Abschluss von Versicherungen ohne Beratung gar nicht möglich sein sollte.

„Die Pandemie hat uns gezeigt, wie schwierig es ist für die Branche, mit neuen schwer kontrollierbaren Risiken umzugehen.“ Das stellte Karel Van Hulle, Honorar-Professor der Universität Frankfurt & Associate Professor an der KU Leuven, beim Expertentreffen der Versicherungsmakler in Trausdorf fest.

Die aus der Krise gewonnenen Erkenntnisse sollten aber dabei helfen, kommende Risiken besser zu bewältigen, sagte Van Hulle, der bis März 2013 Leiter der Abteilung Versicherungen und Renten der Generaldirektion Binnenmarkt und Dienstleistungen in der EU-Kommission war.

Den Menschen früh Risikokompetenz vermitteln

Weil der Mensch nicht gern über Risiken nachdenkt, sollte man möglichst früh damit anfangen, jungen Menschen Risikokompetenz zu vermitteln und ihnen die Bedeutung der Versicherung als Mittel zur Risikominderung beizubringen. Wir sollten unsere Erfahrung mit Covid-19 dazu nutzen, mehr und intensiver über zukünftige Katastrophenrisiken nachzudenken und uns darauf vorzubereiten.

Erklären, wenn neue Klauseln eingeführt werden

Vor zwei Jahren sind Pandemien noch als außergewöhnliche Ereignisse betrachtet worden, die nur in fernen Ländern vorkommen. Für die Zukunft ist es auf jeden Fall angebracht, dass solche „Pandemie-Klauseln“ in Versicherungsverträgen besser erklärt werden.

Das Verhalten in der Krise

Vor allem im Bereich der Betriebsunterbrechung ist nicht immer klar gewesen, inwieweit sich ein Pandemieausschluss nur auf Viren bezog, die ihren Ursprung im Betrieb selbst fanden.

Langsam ist aufseiten der Versicherer aber die Erkenntnis entstanden, „dass es unmöglich ist, alle Schäden als Folge allgemeiner Lockdowns zu versichern.

Als eines der positiven Beispiele hob Karel Van Hulle allerdings unter anderem das Hilfspaket und den Verhaltenskodex der österreichischen Versicherungswirtschaft hervor.

Beratung ist nötig

Beratung ist notwendig, „weil die Versicherung kompliziert ist“, unterstrich Van Hulle. „Es gibt keine einfachen Versicherungsverträge.“

Viele Kunden verstehen nicht, dass nur das, was ausdrücklich im Versicherungsvertrag vorgesehen ist, versichert ist. Die Bedeutung einer Ausschlussklausel in einer Versicherungspolizze ist auch nicht immer leicht zu verstehen.

Der Vermittler spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Die Nähe zum Kunden bietet Vermittlern „die einzigartige Möglichkeit, den Kunden beim Abschluss der richtigen Polizze zu helfen und zu erklären, was die Polizze in der Praxis bedeutet“.

Van Hulle meinte überhaupt, dass es nicht möglich sein sollte, eine Versicherung ohne Beratung abzuschließen.

Partnerschaftslösungen zum Schutz gegen Katastrophenrisiken

Wie nun mit Katastrophenrisiken umgehen?

Die Höhe der mit einem allgemeinen Lockdown verbundenen Kosten zu berechnen ist, insbesondere in einer stark vernetzten Welt, praktisch unmöglich. Die Welt wird aber zunehmend mit Katastrophen aller Art konfrontiert werden.

„Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, und die nächste Katastrophe wird wahrscheinlich anders sein als das, was wir schon erlebt haben“, so Van Hulle. In vielen Fällen fehlt aber ein echter Versicherungsschutz, „und das bereitet mir Sorgen, weil dies zu Unsicherheit und zu Angst führt“.

Er hält es für notwendig, „Partnerschaftslösungen“ zwischen Versicherungsbranche und Staat zu entwickeln. Denn die Versicherungswirtschaft alleine kann die Kosten einer Pandemie-, einer Naturkatastrophen- oder etwa einer Cyberkatastrophen-Versicherung nicht tragen.

Diskussionen zwischen Aufsichtsbehörden, EU-Kommission und Versicherungsbranche gebe es darüber bereits. „Ich hoffe, sie führen zu Lösungen“ – die lokal, regional, national sein könnten, aber „am liebsten europäisch“ sein sollten, „weil die EU uns doch die Möglichkeit einer größeren Solidarität bietet“.