In Österreich herrscht ein historisches Tief an Arbeitsunfällen

In Österreich herrscht ein historisches Tief an Arbeitsunfällen

(kunid) Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt hat vergangenes Jahr 100.363 Arbeitsunfälle, Wegunfälle und Fälle von Berufskrankheiten anerkannt. Gegenüber 2019 ist das ein Rückgang um mehr als ein Drittel. Wesentliche Ursache für dieses „Rekordtief“ waren die Corona-Lockdowns.

Natürlich stellen wir uns jetzt die Frage: Wenn so viele Menschen von zu Hause aus arbeiten, müssten doch die Unfälle an den „eigentlichen Arbeitsstätten“ zurückgehen.

Und tatsächlich: Im Vorjahr ging die Anzahl der Arbeitsunfälle unselbstständig Erwerbstätiger gegenüber 2019 um 25,1 % auf 73.837 zurück. Das meldet die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und spricht von einem „historischen Tief“.

Unterjährig sei der „absolute Tiefstand“ der anerkannten Arbeitsunfälle im Dezember mit rund 3.000 erreicht worden. Den zweitniedrigsten Monatswert wies mit rund 4.000 der April auf, als der erste Lockdown in Kraft war.

Der massive Rückgang hat denn auch in den Corona-Umständen seine zentrale Ursache. „Die Rückgänge bei den Arbeitsunfällen sind zwar erfreulich, jedoch im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie zu verstehen“, sagt AUVA-Obmann Mario Watz.

Fast 40 % weniger Schadensfälle

Insgesamt – also Arbeitsunfälle, Wegunfälle und Unfälle in Ausbildung Befindlicher zusammengenommen – hat die AUVA vergangenes Jahr 100.364 Schadensfälle anerkannt, eine Verringerung um 37,8 % (2019: 161.236).

Davon waren 67.792 Arbeitsunfälle Erwerbstätiger und 22.441 Unfälle in Ausbildung Befindlicher, 8.290 Wegunfälle Erwerbstätiger und 910 Unfälle in Ausbildung Befindlicher sowie 910 Berufskrankheiten Erwerbstätiger und 21 Berufskrankheiten in Ausbildung Befindlicher.

Die Anzahl der Berufskrankheiten sank im Jahresvergleich um 22,3 % auf 931, jene der Arbeitsunfälle um 38,1 % auf 90.233, jene der Wegunfälle – also der Unfälle auf dem Weg zur oder von der Arbeitsstelle – um 36,0 % auf 9.200.

Die absoluten Unfallzahlen gingen laut AUVA in allen großen Wirtschaftszweigen zurück: im produzierenden Sektor („Herstellung von Waren“) um rund 4.000 Arbeitsunfälle, im Bau um 2.743 und im Handel um 2.705, in der „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ um über 2.800.

Unfallrate hat allerdings nur geringe Aussagekraft

Die Unfallrate beschreibt die Relation zwischen der Anzahl der Arbeitsunfälle und der Anzahl der Arbeitnehmer.

2019 betrug sie – Wegunfälle nicht mitgerechnet – bei 3,622 Millionen Beschäftigungsverhältnissen 2,40 %, im Vorjahr fiel sie bei 3,486 Beschäftigungsverhältnissen auf 1,89 %.

Durch die Kurzarbeit verliere diese „normalerweise wichtigste Kennzahl“ allerdings „sehr stark an Aussagekraft“, wie die AUVA anmerkt: Wer beispielsweise nur 20 % der normalen Zeit am Arbeitsplatz verbringt, befindet sich schließlich auch nur in einem Fünftel der Zeit in Arbeitsunfallgefahr.

Leider auch Todesfälle zu verzeichnen

83 Personen verstarben 2020 in Folge eines Arbeitsunfalls (2019: 113), davon 28 (2019: 27) nach einem Unfall auf dem Weg zur oder von der Arbeit.

Größer war die Zahl jener, die wegen einer Berufskrankheit starben. Sie belief sich 2020 auf 93, im Jahr 2019 waren es 111 Menschen gewesen.

In diesem Sinne: Passen Sie gut auf sich auf – wo immer Sie auch sind; und fragen Sie Ihren Berater, wie ein allumfassender Versicherungsschutz bestmöglich gesichert werden kann.