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(kunid) Europäische Banken stehen vor einer strategischen Transformation: „Online“ könnte die Beratung in der Bank ablösen. Banken sind also nunmehr gefordert, ihren Servicecharakter -noch mehr – in den Vordergrund zu stellen. Untersuchungen von A.T. Kearney und von Bitkom zeigen: Im Bankgeschäft zeichnet sich eine Revolution ab.

Der 10. Retail Banking Radar der Unternehmensberatung A.T. Kearney zeichnet ein ambivalentes Bild der Performance europäischer Filialbanken. Bemerkenswert ist dabei die Prognose der Studienautorin Daniela Chikova (Partner Financial Services): „In den nächsten fünf Jahren wird jede zehnte Bank entweder durch Verkauf oder Zusammenschluss nicht mehr am Markt sein, darunter auch bekannte Namen.“

Aber, so Chikova, Österreich sei „ertragsseitig eine Insel der Seligen“. Dennoch schrumpfe laut vorliegender Studie das Filialnetz der Banken in Österreich um jährlich 2-3 %, auch die Mitarbeiterzahl sinke. So soll im 10-Jahres-Branchenschnitt aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsmarge der Ertrag pro Kunde um 11 % zurückgegangen sein. Erzielte man 2008 durchschnittlich noch Einnahmen von 700 € pro Kunde, so liegt dieser Wert heute bei 623 €/Kunde.

Für die aktuelle Studie von A.T. Kearney wurden 92 Privatkundenbanken in 22 europäischen Ländern untersucht.

Österreich: „Bankeninsel der Seligen“

Insgesamt verbuchten die österreichischen Banken in den vergangenen vier Jahren ein Ertragsplus pro Kunde von 7,2 %, während Deutschland laut Studie ein Minus von 1,3 % aufweise.

Die heimischen Kunden müssen sich laut der Studienautorin auf Veränderungen einstellen. Nur ein Beispiel: Die Papier-TANs sind nach dem 14. September Geschichte. Interessant: „Neobanken“, wie etwa N26, werden von „Digital Natives“ gerne als Zweitkonto genützt. Der Radar zeigt, dass die Kundenbasis der Neobanken seit 2011 um mehr als 15 Mio Kunden gewachsen ist.

Laut A.T. Kearney bestimmen fünf Trends über „Sein oder Nichtsein“ der Geldinstitute.

Fünf Prognosen

Prognose 1: In den nächsten fünf Jahren wird in Europa der Umsatz im klassischen Privatkundengeschäft um 2,3 Mrd€ schrumpfen.

Prognose 2: Jede zehnte Bank wird in diesem Zeitraum aufgrund hoher Kosten – aber einer niedrigen Profitabilität – einen Verkauf oder einen Zusammenschluss mit Mitbewerbern in Betracht ziehen.

Prognose 3: 2023 werden die nordischen Banken nur mehr über ein Drittel ihres ursprünglichen Filialnetzes verfügen. In Westeuropa wiederum wird ein Drittel der Filialen dauerhaft geschlossen sein. Neue Technologien werden das Kundenerlebnis über „alle Kanäle“ hinweg beeinflussen.

Prognose 4: In fünf Jahren werden bis zu 85 Mio Europäer Kunden von Neobanken sein. Das entspricht ca. 20 % der Bevölkerung über 14 Jahre.

Prognose 5: Stichwort „Open Banking“: Bis zu 50 % der Europäer sind bereit, personenbezogene Daten im Tausch gegen Dienstleistungen weiterzugeben.

Online-Banking: Alltag in Deutschland

Fast, wie verabredet: eine aktuelle Studie des deutschen Digitalverbands Bitkom unterstützt die Ergebnisse von A.T. Kearney: Demgemäß gehört für 7 von 10 Deutschen ab 16 Jahren Online-Banking heute zum Alltag. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 1.005 Bundesbürgern.

Je nach Altersgruppe gibt es dabei deutliche Unterschiede. So sind 85 % der 16- bis 29-jährigen Online-Banking-Nutzer, bei den 30- bis 49-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 93 % und unter den 50- bis 64-Jährigen sind es immerhin noch 83 %. Nur die Senioren ab 65 Jahren sind mit einem Anteil von 21 % weiterhin zurückhaltend.

„Online-Banking ist bereits heute der absolute Standard und wird sich in den kommenden Jahren noch weiterverbreiten“, erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Banking via Smartphone

Erstmals setzt laut Bitkom mehr als die Hälfte der Online-Banking-Nutzer (52 %) ihr Smartphone für Bankgeschäfte ein. Vor allem die Jüngeren setzen auf Mobile-Banking: Unter den 16- bis 29-jährigen Online-Banking-Nutzern verwenden sogar fast zwei Drittel (63 %) ihr Smartphone.

Und was Versicherungen betrifft: 3 von 5 (57 %) derjenigen, die sich nicht vorstellen können, online eine Versicherung abzuschließen, sagen, dass sie die ausführliche Beratung im persönlichen Gespräch bevorzugen.

Jeder Zweite (49 %) ist sich demnach sicher, bessere Informationen im persönlichen Gespräch zu erhalten.

 

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